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Produktinformationen

In der internationalen Politik herrscht eine Unruhe wie seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr. Militärische Gewalt ist allgegenwärtig und die weltweiten Militärausgaben befinden sich auf einem Allzeithoch. In gewisser Hinsicht scheint die Lage sogar gefährlicher als in den Hochzeiten des Ost-West-Konflikts: Waffensysteme sind ausgereifter, Vorwarnzeiten für reichweitenstarke Waffen kürzer, Präzision, Sprengkraft und Zerstörungswirkung konventioneller wie nuklearen Waffensysteme ungleich höher. Unter diesen Bedingungen ist das Thema Rüstungskontrolle aus dem Fokus geraten, kaum noch jemand spricht von Abrüstung. Die wichtigsten Rüstungskontrollverträge sind gekündigt, ausgelaufen oder politisch entleert. Auch Deutschland und Europa setzen massiv auf Aufrüstung, der Großteil davon schuldenfinanziert. In einer Welt voller Raubtiere versuchen viele Staaten derzeit offenkundig selbst zum Raubtier zu werden und setzen auf eigene Stärke, militärische Handlungsfähigkeit und investieren massiv in Rüstung.

So nachvollziehbar die Gründe für diese Entwicklungen auch sein mögen, gilt es, Abschreckung und Rüstungskontrolle wieder zusammenzudenken. Denn Rüstungskontrolle ist keine Schönwetterveranstaltung. Sie ersetzt politische Konfliktlösungen nicht, und sie steht auch nicht im Widerspruch zu Verteidigungsfähigkeit als Mittel gegen militärische Gewalt. Gerade deshalb ist sie beides zugleich: Ziel und Instrument.

Dieses Heft nimmt Rüstungsdynamiken umfassend in den Blick. Die Autor:innen durchleuchten die Krise der Rüstungskontrolle, adressieren Strategien wichtiger Akteure und diskutiert kontrovers neue technologische Herausforderungen im Bereich Rüstungskontrolle wie auch die deutsche (Auf-)Rüstungspolitik.

Inhaltsübersicht

Oscar Prust
Krise der Rüstungskontrolle: Zwischen Ruine und WIederaufbau

Valeriia Gergiieva
Rüstungskontrolle und Raketen-Governance im Nahen Osten

Thomas Göbel
Der Nukleare Nichtverbreitungsvertrag – ein Fels in der Brandung

Rüstungskontrolle ist in weiten Teilen kollabiert.
Ein Gespräch über die Krise der Rüstungskontrolle, neue Rüstungsdynamiken und die aktuelle Rolle Europas mit Wolfgang Richter

René Geiser
Chinas nukleare Ambivalenz. Aufrüstung, Intransparenz und blockierte Rüstungskontrolle

Ondrej Rosendorf
Jenseits der Verträge. Chancen und Risiken informeller Rüstungskontrolle

Markus Fasse und Frank Specht
Rüstungsindustrie und Beschaffungswesen in der Zeitenwende

Johannes Varwick
Für eine Einhegung der Rüstungsindustrie

Jürgen Altmann
Verbot autonomer Waffensysteme. Das Verifikationsproblem und seine kreative Lösung

Rüdiger Lüdeking
Deutsche Rüstungskontroll- und Abrüstungspolitik 1990–2008. Ein Erfahrungsbericht

Autor*innen

PD Dr. Jürgen Altmann
ist Mitglied der Arbeitsgruppe Physik und Abrüstung am Lehrstuhl Experimentelle Physik III der Technischen Universität Dortmund.

Dr. Valeriia Gergiieva arbeitet im Projekt „Arms Control and Emerging Technologie“ am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH) der Universität Hamburg und ist Forscherin am Odesa Center for Nonproliferation. 

Markus Fasse
ist Chefreporter Unternehmen beim Handelsblatt.

René Geiser M.Sc.
ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen.

Botschafter Thomas Göbel
ist seit 2021 Ständiger Vertreter Deutschlands bei der Genfer Abrüstungskonferenz. Zuvor war er u. a. Referatsleiter im Auswärtigen Amt für verschiedene Abrüstungsfragen. 

Rüdiger Lüdeking
war lange Jahre im Auswärtigen Amt mit Fragen der Sicherheits- und Rüstungskontrollpolitik befasst, u. a. als Stellvertretender Beauftragter der Bundesregierung für Fragen der Abrüstung und Rüstungskontrolle. Er war danach Botschafter bei den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen in Wien, bei der OSZE und bis zum Eintritt in den Ruhestand 2018 Botschafter beim Königreich Belgien. 

Dr. Oscar Prust
ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Postdoc an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dort Sprecher der interdisziplinären Forschungsgruppe Arms Control and Global Order (ACGO). 

Wolfgang Richter
ist Oberst a. D., war u. a. Leitender Militärberater in den deutschen VN- und OSZE-Vertretungen und arbeitet derzeit als Associate Fellow beim Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik (GCSP). 

Dr. Ondřej Rosendorf
ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sicherheitspolitik und Friedensforschung an der Universität Hamburg (IFSH) sowie an der Charles University in Prag.

Frank Specht
ist Hauptstadtkorrespondent mit der Zuständigkeit für Sicherheits- und Verteidigungspolitik beim Handelsblatt. 

Prof. Dr. Johannes Varwick
lehrt internationale Beziehungen und europäische Politik an der Universität Halle-Wittenberg und ist Präses des Wissenschaftlichen Forums Internationale Sicherheit (WIFIS). Er ist zudem Mitherausgeber von POLITIKUM.

Kurzbeschreibung
Dieses Heft nimmt Rüstungsdynamiken umfassend in den Blick. Die Autor:innen durchleuchten die Krise der Rüstungskontrolle, adressieren Strategien wichtiger Akteure und diskutiert kontrovers neue technologische Herausforderungen im Bereich Rüstungskontrolle wie auch die deutsche (Auf-)Rüstungspolitik.