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Die Autorin

Dr. Juliane Lang ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet wissenschaftlich und in der politischen Bildungsarbeit zu Rechtsextremismus und Geschlecht. Sie forscht an der Universität Gießen im Forschungsverbund GERDEA (www.projekt-gerdea.de).

Antifeminismus, Sexismus, Misogynie – Begriffsklärungen

Was genau verbirgt sich hinter dem Phänomen Antifeminismus und welche Bedeutung hat es für das Denken und Handeln der extremen Rechten? Antifeminismus wird hier abgegrenzt von den ihm zu Grunde liegenden Teilideologien des Sexismus, der Misogynie und der Queerfeindlichkeit.


Antifeminismus: Was ist das?

Der Begriff Antifeminismus beschreibt ein Bündel an Einstellungen und Verhaltensweisen, in denen es um die Aufrechterhaltung ungleicher Geschlechterverhältnisse mit einer Überlegenheit des Mannes geht. Antifeministisches Denken ist damit eine politische Reaktion auf Forderungen nach einer Infragestellung der traditionellen Geschlechterordnung. Einmal errungenen geschlechterpolitischen Liberalisierungen der vergangenen Jahrzehnte wird eine Geschlechterordnung entgegengesetzt, die Männern und Frauen qua Geschlecht spezifische Eigenschaften und damit einhergehende Lebensbereiche zuschreibt (siehe unten Sexismus). Die Vielfalt von Geschlecht sowie ­geschlechtliche und sexuelle Lebensweisen jenseits der binären Zweigeschlechtlichkeit werden abgelehnt.

Antifeminismus hat eine lange Geschichte, und der Hass, der sich heute an der Sichtbarkeit vielfältiger geschlechtlicher und sexueller Lebensweise entfacht, entbrannte in der Geschichte bereits zu unterschied­lichen anderen Anlässen. Die Frauenrechtlerin Hedwig Dohm zeigt auf, wie Frauen Ablehnung und Hass für ihre Forderungen nach dem allgemeinen Wahlrecht, nach dem Zugang von Frauen zu Universitäten, aber auch in Reaktion auf ihren Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt erfuhren. Die Relevanz dieser Zielsetzungen steht heute in Deutschland nicht mehr in Frage. Frauenpolitische Errungenschaften wurden in der Geschichte stets erkämpft. Sie erfuhren zum Zeitpunkt ihrer Verabschiedung zunächst Ablehnung und standen im Mittelpunkt antifeministischer Mobilisierungen. Heute nimmt eine große Mehrheit der Bevölkerung sie als selbstverständlich wahr. Zeitgenössische antifeministische Mobilisierungen fordern beispielsweise, den Begriff der Familie ausschließlich auf das Zusammenleben von zwei Menschen, Mann und Frau, mit biologisch eigenen Kindern zu beschränken. Sie treten der Forderung nach einem sicheren und straffreien Zugang zum Schwangerschaftsabbruch entgegen oder mobilisieren gegen das Selbstbestimmungsgesetz für trans*-Personen. In allen Fällen geht es darum, eine Geschlechterordnung zu erhalten, die Männern und Frauen von Natur aus vorgegebene Rollen zuweist.


Hohe Zustimmungswerte und Trend zur Re-Traditionalisierung

Antifeminismus findet sich nicht nur im Rechts­ex­tre­mismus. Ganz im Gegenteil: die Vorstellung einer „naturwüchsigen“ Geschlechterordnung ist der kleinste gemeinsame Nenner und dient als Scharnier zwischen unterschiedlichen politischen Milieus (siehe unten ‚Antifeministische Akteursgruppen‘). Der autoritären und extremen Rechten dient das Thema somit mehr denn je zur Mobilisierung – gegen…

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