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Die Buch-Rezensentin

Sabine Volk, Institut für Rechtsextremismus­forschung, Universität Tübingen

Die Serien-Rezensentin

Prof. Dr. habil. Nina Kolleck ist ­Politik- und Bildungswissenschaftlerin und Pro­- fes­sorin an der Universität Potsdam. Sie forscht u. a. zu sozialen Medien und Netzwerken, Adoleszenz, Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Radikalisierung, politischer Bildung und Antifeminismus. Für ihre Arbeiten wurde sie u. a. mit dem ARCHES-Award der Max-Planck-Gesellschaft, einem ERC Grant und unterschied­lichen Lehrpreisen ausgezeichnet.

Bücher und Serien zum Thema "Antifeminismus"


  • Cynthia Miller-Idriss: Man Up: The New Misogyny and the Rise of Violent Extremism Princeton University Press: Princeton 2025, XXII+318 Seiten
Die britische Serie Adolescence löste 2025 Diskussionen über den Zusammenhang von Geschlecht, Radikalisierung und Gewalt aus. In Wissenschaft, Politik und Gesellschaft wächst das Interesse an einer geschlechterreflektierenden Perspektive auf den Rechtsextremismus, denn im Rahmen des Aufstiegs der extremen Rechten sind Facetten des Antifeminismus, v. a. Misogynie, (wieder) erstarkt. Dessen Bezüge zu rechtsextremer Gewalt sind in der Forschung bisher unterbelichtet geblieben. Mit Man Up: The New Misogyny and the Rise of Violent Extremism legt die US-amerikanische Soziologin Cynthia Miller-Idriss nun ein Buch vor, das diese Leerstelle in der Forschungslandschaft und bildnerischen Literatur eindrucksvoll schließt.

Der Titel Man Up – kann übersetzt werden als „Sei ein Mann!“ – verweist auf den kulturellen Imperativ von (soldatischer) Männlichkeit, der im Zentrum der geschlechterreflektierenden Analyse des ­gewaltbereiten Rechtsextremismus steht. Ausgehend von der Beobachtung, dass bei der gesellschaftlichen Aushandlung rechtsextremer Gewalttaten die Kategorie Geschlecht oft nachgeordnet behandelt wird, beginnt das Buch mit der Frage: „Was passiert, wenn wir biologisches und soziales Geschlecht als primäres Organisationsprinzip betrachten, das extreme Gewalt mobilisiert?“ (S. xiii, eigene Übersetzung). Die These der Autorin ist eindeutig: Die (wieder) zunehmende Normalisierung von hostilem Sexismus und Misogynie im gesellschaftlichen Mainstream bildet den Nährboden für gewalttätige Mobilisierung in extrem rechten Kontexten.

Miller-Idriss entwickelt drei Argumente (S. 34 f.): Zunächst akzentuiert sie den Zusammenhang zwischen geschlechtsspezifischer Gewalt im Alltag und politisch motivierter Gewaltkriminalität im öffentlichen Raum. Zweitens zeigt sie, dass der Anstieg des gewalttätigen Rechtsextremismus eng mit der Erhaltung patriarchaler Machtverhältnisse verknüpft ist. Drittens arbeitet sie heraus, wie verschiedene Formen von Hasskriminalität wie etwa rassistische und antisemitische Gewalt durch Misogynie als connective tissue – also Scharnierideologie – verbunden sind.

Das Buch gliedert sich in drei Teile. Teil 1 liefert die theoretischen Grundlagen einer geschlechterreflektierenden Forschung zur extremen Rechten und rechtsextremer Gewaltkriminalität. Der empirische Teil 2 beeindruckt durch die Fülle an Material: Analysiert werden die sprachlichen Spezifika von Misogynie (Kapitel 2), maskulinistische Mobilisierungen (3), die Normalisierung ­patriarchaler Gewalt etwa in Sexhandel und Partnerschaftsgewalt (4), queerfeindliche Kampagnen (5) sowie die Rolle von (weißen) Frauen als Mitträgerinnen patriarchaler und rassistischer Strukturen (6). Daraufhin wendet sich Miller-Idriss in Teil 3 dem…

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