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Der Rezensent

Prof. Dr. Martin Florack ist Politikwissenschaftler, Geschäftsführer des Wisse­nschaftscampus NRW in Oberhausen und Mitherausgeber von POLITIKUM.

Bücher zum Thema Polarisierung(en)

  • Steffen Mau, Thomas Lux, Linus Westheuser: Triggerpunkte. Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft. Suhrkamp: Berlin 2023, 532 Seiten.
  • Nils C. Kumkar: Polarisierung. Die Ordnung der Politik. Suhrkamp: Berlin 2025, 290 Seiten.


Kamel, Dromedar oder Stabmagnet? Zwei soziologische Vermessungen und Problematisierungen gesellschaftlicher Polarisierung

Bilder schaffen Orientierung. Um die gesellschaftliche Polarisierung in Deutschland zu vermessen, greifen Steffen Mau, Thomas Lux und Linus Westheuser zur Tiermetapher. In ihrer viel diskutierten Studie „Triggerpunkte“ fragen sie gleich zu Beginn, ob „wir uns von einer Dromedar- zu einer Kamelgesellschaft entwickeln“. Gemeint sind zwei idealtypische Verteilungen politischer Einstellungen: Lässt sich soziologisch das Bild eines Kamels mit zwei Höckern zeichnen – zwei etwa gleich große Lager, dazwischen ein Graben – oder gleicht die Gesellschaft eher einem Dromedar mit einem einzigen Höcker, in dessen breiter Mitte sich die meisten versammeln? Gleichfalls anschaulich illustriert Nils C. Kumkar seinen Zugang zu Polarisierung als „kommunikatives Ordnungsmuster“. Bei ihm ist es der Stabmagnet aus dem Physikunterricht: Platziert man einen solchen Magneten in einem unstrukturierten Feld von Metallspänen, so richten diese sich unweigerlich an den beiden Polen desselben aus. Oder um im Bild zu bleiben: Polarität ist für Kumkar keine Eigenschaft einzelner Teile, sondern des Feldes, das sie ordnet.

Beide Illustrationen sind mehr als didaktischer Zierrat. Sie verdichten das jeweilige Argument und markieren zugleich die Differenz zweier sozialwissenschaftlicher Zugriffe, die sich gewinnbringend hintereinander lesen lassen. Als Duett laden sie nicht nur dazu ein, gesellschaftliche Polarisierung zu vermessen, sondern den Begriff selbst zu problematisieren.



Dromedar oder Kamel?

Mau, Lux und Westheuser haben auf der Grundlage von Umfragedaten, eigenen Erhebungen und Fokusgruppengesprächen die Einstellungslandschaft der Bundesrepublik in vier „Ungleichheitsarenen“ (S. 25) kartiert: Verteilung (oben/unten), Migration (innen/außen), Identitätspolitik (wir/sie) sowie Umwelt und Klima (heute/morgen). Die Befunde scheinen eindeutig: In den großen Fragen dominiert das Dromedar. Eine Spaltung der Gesellschaft in zwei unversöhnliche Blöcke lässt sich in den Daten nicht finden. Insbesondere bei Gleichstellung, Umweltschutz oder sozialstaatlicher Absicherung existiert ein erstaunlich belastbarer Grundkonsens, der von lautstarken Minderheitenpositionen an den Rändern eingerahmt, aber nicht aufgezehrt wird.

Dieser Befund ist vielfach als „Entwarnung“ gelesen worden. Ein Indikator für die normative Aufladung der Fragestellung, aber auch…

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