Konflikte um globale Datennetze – im Weltraum und unter dem Meer
Glasfaserkabel auf dem Meeresgrund senden mehr als 95 % aller Daten rund um den Globus. Tech-Unternehmen wie SpaceX bringen Tausende von Satelliten in den Orbit, die Datenübertragung sicherer machen sollen. Regierungen wiederum sehen diese Systeme längst als strategische Netzwerke und versuchen, Einfluss zu nehmen.
Es drängt sich daher die Frage auf: Was hat Kommunikation mit Geoökonomie zu tun – und welche Risiken und Konflikte bringt der globale Wettlauf um Datennetze mit sich?
Kommunikation und die zwei „Geos“
Moderne Datennetze bilden das Fundament der globalen Ökonomie. Die Digitalisierung hat nahezu alle wirtschaftlichen Sektoren grundlegend verändert und abhängig vom Internet gemacht. Mit dem rasanten Fortschritt datenintensiver Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI) und Cloud-Computing wächst der Bedarf nach immer leistungsfähigeren und immer schnelleren Verbindungen stetig – und es ist kein Ende in Sicht.
Verborgen unter dem Meeresspiegel, in schwer zugänglichen Tiefen, verläuft das Rückgrat des Internets: ein Netzwerk aus Glasfaserkabeln, das sich über Hunderttausende Kilometer erstreckt. Mehr als 95 % des weltweiten Datenverkehrs wird durch diese Kabel transportiert, fast über den gesamten Globus. Jedoch werden sie zunehmend Gegenstand von internationalen Konflikten. China etwa versucht, durch Subventionen seine Position und die seiner Staatsunternehmen im Unterseekabel-Sektor auszubauen. Die US-Regierung hingegen setzt auf Sanktionen, um Betreiber und Investoren davon abzubringen, Aufträge an chinesische Firmen zu vergeben oder ihre Kabel an chinesisches Territorium anzubinden. Um die Geographie des Netzwerks wird gerungen.
Auch im Weltraum ist ein Wettbewerb um Kommunikation entbrannt. Hier bauen Tech-Unternehmen und Staaten an Satellitensystemen, die eine sichere Alternative zu terrestrischen Kommunikationsnetzen bieten sollen. Dabei geht es nicht darum, Unterseekabel als „Internet Backbone“ zu verdrängen – davon ist Satellitenkommunikation weit entfernt. Vielmehr ist das Geschäftsmodell von SpaceX und Co. besonders sichere Kommunikation. Satelliten können auch in abgelegenen Regionen Internetanbindung garantieren oder dort, wo andere Infrastruktur gestört wurde – durch Naturkatastrophen oder Krieg. Satellitenkommunikation wird deshalb neben Unternehmen besonders für Regierungen und das Militär immer wichtiger.
Ob unter dem Meer oder in den Weiten des Orbits, Datennetze stehen zunehmend im Spannungsfeld der zwei „Geos“: Geoökonomie und Geopolitik. Kommunikation schafft wirtschaftliche Aktivität. Staaten und Unternehmen sind sehr daran interessiert, sich Zugang zu den modernsten Netzwerken zu sichern, weil sie sich davon Wettbewerbsvorteile versprechen. Kommunikation ist aber auch wirtschaftliche Aktivität. Der Unterseekabel- und Satelliten-Markt und die sich darum entfaltenden Sektoren sind ein immer lukrativer werdendes Geschäftsfeld. Kommunikation zieht Kapital an. Investoren tummeln sich ohnehin gerne in Anlagefeldern, in denen sie Zukunftstechnologien vermuten. Im All werden die Technologien von morgen entwickelt und getestet – ob Laserverbindungen, Erdbeobachtung oder Trägerraketen. Für Weltraum-Konzerne bedeutet das verstärkte Interesse an Satellitenkommunikation volle Auftragsbücher (Morin/Beaumier 2024).
Aber auch in der Geopolitik schlagen sich die technologischen Entwicklungen nieder. Kommunikation hat eine lange strategische Geschichte. Bereits im Ersten Weltkrieg kappte Großbritannien gezielt deutsche Tiefseekabel. Die verbliebenen Telegrafenverbindungen nutzten britische Geheimdienste, um die sogenannte Zimmermann-Depesche abzufangen, ein geheimes Telegramm, in dem das deutsche Außenministerium Mexiko ein Bündnis gegen die USA anbot. Dessen Veröffentlichung trug maßgeblich zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten bei. Heute ist Kommunikation noch stärker (und direkter) in militärische Operationen eingebunden. Drohnenoperationen, Zielerfassung, Cyberangriffe – sie alle basieren auf stabiler, geschützter Konnektivität. Besonders der Krieg in der Ukraine zeigt eindrücklich, dass moderne Kriegsführung ohne digitale Kommunikation nicht mehr denkbar ist.
Das Internet verläuft unter dem Meer
Der Ausbau des Untersee-Glasfasernetzes erlebte seinen ersten Höhepunkt in den 1990er Jahren. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen, doch die Aussicht auf exorbitante Profite trieb immer mehr risikofreudige Investoren in alle Bereiche, die sich irgendwie als „digital“ einordnen ließen. Telekommunikationskonzerne von AT&T bis France Télécom (heute Orange) schlossen sich in Konsortien zusammen, um Kosten und Nutzungsrechte an den sehr teuren, teils Kontinente übergreifenden Kabeln zu teilen. Getrieben von Profitstreben wuchs die Kapazität des Netzes deutlich schneller, als es die Nachfrage rechtfertigte (Starosielski 2015). Mit dem Platzen der Dotcom-Blase im März 2000 endete der Ansturm abrupt. Zahlreiche Internet-Startups gingen bankrott, Investitionen versiegten, der Netzausbau stagnierte. Nach der globalen Finanzkrise verlagerte sich die Dynamik zunehmend in neue wirtschaftliche Zentren des globalen Südens, insbesondere nach Ost- und Südostasien. Der Aufstieg Chinas veränderte die Geographie des Unterseenetzes grundlegend (Abbildung 1).
Aktuell befinden wir uns in einer neuen Ausbauwelle, die maßgeblich von einem vergleichsweise neuen Typus von Akteur betrieben wird: „Hyperscalern“ aus den USA. Hyperscaler sind globale Technologieunternehmen, die weltweit Rechenzentren für digitale Dienstleistungen betreiben – etwa für Cloud-Computing, Streaming oder KI-Anwendungen. Zu ihnen zählen Konzerne wie Google und Meta, deren Dienste auf enorme Datenvolumen und nahezu verzögerungsfreie Verbindungen angewiesen sind. Anstatt Kapazitäten von Telekommunikationsanbietern zu mieten, investieren sie lieber in den Bau eigener Infrastruktur. Ihre ökonomische Größe und ihr immenses Investitionskapital erlaubt es den Tech-Riesen, Milliardenbeträge für die Entwicklung eigener Kabel bereitzustellen. Besonders hervorzuheben ist dabei Google. Das US-Unternehmen baut derzeit ein eigenes globales Netzwerk an Seekabeln auf. Benannt nach historischen Persönlichkeiten wie Grace Hopper, Equiano und Curie, erstrecken sich die Kabel des Unternehmens von den USA bis nach Europa, Afrika, und Lateinamerika. Weitere Projekte sind bereits in Planung.
Technische Neuerungen sorgen zudem dafür, dass die durch Unterseekabel bereitgestellten Kapazitäten rapide steigen. Die Übertragungsrate heutiger Leitungen übersteigt die etwas älterer Kabel bereits um ein Vielfaches. Der Netzausbau dient daher nicht nur der Erweiterung um neue Routen. Es geht auch darum, veraltete Verbindungen zu erneuern und zu ersetzen. Entscheidend ist vor allem die Frage, wer diese Verbindungen finanziert – und letztendlich kontrolliert.
Digitale Imperien
Dass Kommunikation über Unterseekabel keineswegs sicher ist, hat die jüngere Geschichte deutlich gemacht. Im Zuge des NSA-Skandals wurde bekannt, dass westliche Geheimdienste gezielt Unterseekabel anzapften, um große Mengen an Internet- und Telefondaten zu sammeln und auszuwerten. Möglich war dies nur durch die Kooperation von Telekommunikationsunternehmen, die den Diensten Zugang zu Knotenpunkten und Kabelsystemen verschafften.
Neben Überwachung wird auch Sabotage zu einem größeren Problem. Seit 2023 mehren sich Berichte über Zwischenfälle in der Ostsee, an denen scheinbar zivile Schiffe beteiligt waren – häufig in schlechtem Zustand und mit mehr oder weniger ausgeprägten Verbindungen zum russischen Staat (Abels 2025). Wiederholt wurden wichtige Glasfaserkabel beschädigt, indem diese Schiffe ihre Anker über den Meeresboden zogen. Schnell wurde von europäischen Staaten vermutet, dass es sich nicht um Unfälle, sondern um sogenannte „hybride Kriegsführung“ handelte. Der Begriff bezeichnet den Einsatz strategischer Mittel, die bewusst unterhalb der Schwelle eines offenen Angriffs bleiben, dabei jedoch gezielt Unsicherheit stiften und politische oder militärische Ziele verfolgen.
Ein besonders aufsehenerregender Vorfall ereignete sich im November 2024 in schwedischen Hoheitsgewässern. Zwei Unterseekabel, C-Lion1 und BCS East-West Interlink, waren in kurzer Abfolge durchtrennt worden (Abb. 2). Ermittlungen ergaben, dass sich zur fraglichen Zeit das chinesische Frachtschiff Yi Peng 3 in unmittelbarer Nähe der beiden Kabel aufgehalten hatte. Das Schiff hatte sein Ortungssystem deaktiviert und offenbar beim Queren der Leitungen seinen Anker über den Meeresboden gezogen. Nach dem Überfahren des zweiten Kabels stoppte Yi Peng 3 – vermutlich, um den Anker zu heben. Das Schiff war im Vorfeld des Vorfalls aus dem russischen Hafen Ust-Luga ausgelaufen. Geheimdienste vermuteten deshalb eine russische Beteiligung.
Nicht nur Europa ist von Sabotage betroffen. Auch vor der Küste von Taiwan kam es in den vergangenen Jahren wiederholt zur Beschädigung von Unterseekabeln durch chinesische Schiffe. Oftmals wurde von offizieller Seite von Unfällen gesprochen – glauben will das aber niemand so recht. Vielmehr ist die Befürchtung, dass es sich um Tests handeln könnte für eine größer angelegte, konzertierte Zerstörung von Internetkabeln im Vorfeld eines militärischen Angriffs auf Taiwan. Unterseekabel spielen auch in der Industriestrategie Chinas eine wichtige Rolle. Die chinesische Firma HMN Tech ist eines von nur vier Unternehmen weltweit, die in der Lage sind, in großem Umfang Kabel zu produzieren und zu verlegen. Der chinesische Staat subventioniert HMN Tech umfassend, um langfristig zu den Marktführern Alcatel Submarine Networks (Frankreich) und SubCom (USA) aufzuschließen.
Allerdings gehen die USA seit ein paar Jahren deutlich rigoroser gegen diese Bemühungen vor. Mithilfe diplomatischer Kampagnen und Sanktionen versuchen sie, HMN Tech von wichtigen Aufträgen fernzuhalten. Seit 2021 ist das Unternehmen im Rahmen der amerikanischen Clean Network Initiative als Sicherheitsrisiko eingestuft. US-Firmen dürfen deshalb keine Kapazität von Kabeln mehr nutzen, die unter Beteiligung von HMN Tech gebaut wurden. Darüber hinaus üben die USA Druck auf Projekte aus, die Verbindungen zum chinesischen Festland oder nach Hongkong planen (Brock 2023). Dabei trifft der amerikanische Sanktionsapparat auch heimische Firmen. Das ursprünglich von Google, Meta und chinesischen Firmen geplante Pacific Light Cable Network (PLCN) sah eine Direktverbindung zwischen Kalifornien und Hongkong vor, mit weiteren Landepunkten in Taiwan und den Philippinen. Auf Druck der US-Regierung wurde der Hongkong-Zweig gestrichen, die chinesischen Investoren stiegen aus. Der Kabelstrang nach Hongkong liegt heute ungenutzt auf dem Meeresgrund – ein symbolträchtiges Beispiel für die Folgen des US-Chinesischen Konflikts um Kommunikationsnetze.
Ein neues „Space Race“
Wo kabelgebundene Systeme beeinträchtigt oder beschädigt werden, kommen Satelliten ins Spiel. Das Geschäftsmodell der satellitengestützten Kommunikation besteht darin, dort Konnektivität anzubieten, wo terrestrische Infrastrukturen versagen oder fehlen. Starlink ist das bekannteste und am weitesten entwickelte System. Seine Satelliten umkreisen die Erde in einer Höhe von etwa 550 Kilometern und versorgen Kunden rund um den Globus mit Internetzugang. Die Konstellation ist die größte der Welt – mit weitem Abstand. Von insgesamt etwas mehr als 12.000 aktiven Satelliten in der Umlaufbahn gehören rund 7.600 zu Starlink. Signale lassen sich mit speziellen Terminals empfangen – flachen, rechteckigen Geräten, kaum größer als ein Backblech. Betrieben wird das System von SpaceX, einem Raumfahrtunternehmen mit Hauptsitz in Texas. SpaceX ist kürzlich zum wertvollsten nicht börsengehandelten Unternehmen der Welt aufgestiegen, noch vor ByteDance (TikTok) und OpenAI. Tech-Milliardär Elon Musk ist zugleich größter Anteilseigner und Geschäftsführer des Unternehmens.
Internationale Aufmerksamkeit erhielt Starlink vor allem durch seine Rolle in der Ukraine (Abels 2024). Kurz vor Beginn der russischen Invasion hatten Cyberangriffe weite Teile der ukrainischen Kommunikationsinfrastruktur lahmgelegt. Wenig später ließ Musk Starlink in der Ukraine aktivieren. Das System wurde schnell unverzichtbar für die ukrainische Gegenoffensive. Von Aufklärung bis Drohnenoperationen – nahezu jede militärische Aktivität der Ukraine setzte auf Starlink (Abb. 3). Für SpaceX bedeutete dies nicht nur positive Publicity, sondern auch großzügige finanzielle Zuwendungen von Investoren. Doch bereits wenige Monate später leitete das Unternehmen eine strategische Wende ein. Ukrainische Streitkräfte berichteten von Ausfällen entlang der Front, insbesondere bei dem Versuch, von Russland besetzte Gebiete zurückzuerobern. Im Oktober 2022 äußerte Musk öffentlich Zweifel an der weiteren Unterstützung und begründete dies mit den hohen Kosten des Dienstes. Im Februar 2023 begann SpaceX schließlich, die Nutzung von Starlink für den Betrieb ukrainischer Drohnen einzuschränken.
Mittlerweile versuchen weitere Akteure, in der Satellitenkommunikation Fuß zu fassen. Amazon will mit dem Projekt Kuiper eine eigene Konstellation aufbauen, die in Konkurrenz zu Starlink treten soll. Sie soll bis 2029 vollständig sein und über 3.200 Satelliten umfassen. Die ersten Einheiten wurden im April 2025 in den Orbit gebracht. Auch die Europäische Union plant, eigene Kapazitäten zur Satellitenkommunikation zu schaffen. Das Programm IRIS² soll bis 2030 eine europäische Konstellation in der niedrigen und mittleren Erdumlaufbahn aufbauen. Durch die Beteiligung privater Satellitenbetreiber bei den Investitionen sollen die Kosten gesenkt werden. Im Gegenzug wird den Partnerunternehmen gestattet, IRIS² für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Chinesische Unternehmen arbeiten ebenfalls intensiv an mehreren Konstellationen. Der neue Wettlauf im All steht also erst in den Startlöchern – allerdings startet SpaceX mit deutlichem Vorsprung.
Ist Geoökonomie nachhaltig?
Der Boom im Satellitensektor hat eine Schattenseite: Weltraumschrott. Schon heute befinden sich über 30.000 katalogisierte Trümmerteile mit einem Durchmesser von mehr als zehn Zentimetern im Orbit. Dazu kommen Tausende inaktive Satelliten und Millionen kleinerer Fragmente, die nicht erfasst werden, aber dennoch ein erhebliches Risiko darstellen. Mit jedem Raketenstart, mit jedem zusätzlichen Satelliten steigt die Gefahr von Kollisionen, die weitere Trümmer erzeugen. Es droht ein sogenannter Kaskadeneffekt, bei dem sich das All zunehmend selbst vermüllt und langfristig unbenutzbar wird. Bei der Frage nach Nachhaltigkeit geht es also nicht nur um Umweltschutz, sondern um die zukünftige Zugänglichkeit und Sicherheit des Orbits.
Satelliten in der niedrigen Erdumlaufbahn haben eine vergleichsweise kurze Lebensdauer – bei Starlink sind es ungefähr fünf Jahre. Nach Ablauf dieser Zeit werden sie gezielt in die Erdatmosphäre gesteuert, wo sie verglühen. SpaceX plant nach aktuellem Stand, seine Konstellation auf 30.000 Satelliten auszubauen. Das würde bedeuten, dass jährlich etwa 6.000 Satelliten entsorgt werden müssen, weil ihre Laufzeit überschritten ist. Bei jedem Verglühen gelangen signifikante Mengen an Metallen in die Atmosphäre, insbesondere Aluminium. Diese Partikel verbrennen nicht vollständig, sondern lagern sich ab – mit potenziell zerstörerischen Folgen für die Ozonschicht. Auch Raketenstarts erzeugen hohe Emissionen. Zudem sind wichtige Trägerraketen wie die europäische Ariane 6
nicht wiederverwendbar. Im Flug trennen sich die einzelnen Komponenten der Rakete voneinander, verglühen oder stürzen ins Meer.
Die Europäische Union will mit einem geplanten Space Law Nachhaltigkeitsstandards für die Raumfahrt etablieren (EU 2025). Doch der Weltraum ist ein globales Gemeingut – und es fehlen bislang internationale Verpflichtungen. In einem von geoökonomischer Konkurrenz geprägten Umfeld scheinen Staaten und Unternehmen kaum bereit, sich durch gemeinsame Regeln einschränken zu lassen. Die Sorge vor Wettbewerbsnachteilen verhindert bislang effektive Maßnahmen gegen die wachsende Umweltbelastung durch die Weltraumindustrie. Damit zeigt sich ein grundlegendes Spannungsfeld zwischen geoökonomischen Interessen und ökologischer Nachhaltigkeit. Sollte es nicht gelingen, effektive Maßnahmen zur Vermeidung von Weltraumschrott zu treffen und eine Überfüllung des Orbits zu verhindern, steht nicht nur der Raumfahrtsektor auf dem Spiel, sondern auch die globale Kommunikation.
Wer bestimmt den digitalen Raum?
Ob im Weltall oder unter dem Meer, die globale Kommunikation liegt in den Händen privatwirtschaftlicher, global agierender Akteure. Im Bereich Unterseekabel war dies zunächst ein schrittweiser Prozess im Zuge der Privatisierung des Telekommunikationssektors. Inzwischen besitzen und kontrollieren Tech-Konzerne wie Google und Meta bedeutende Teile dieser Infrastruktur. Auch im All dominiert die Privatwirtschaft. SpaceX und Elon Musk betreiben inzwischen mehr als die Hälfte aller aktiven Satelliten. Bald könnte auch Amazon mit Projekt Kuiper nachziehen.
Das bedeutet nicht, dass Staaten machtlos wären, im Gegenteil. Die USA setzen ihre Sanktionsmacht ein, um Kabelprojekte zu stoppen. Sie investieren immer größere Anteile ihres Verteidigungshaushalts in den Weltraumsektor. China drängt mit massiven Investitionen und wachsendem technischen Knowhow in Märkte, die lange Zeit von westlichen Anbietern dominiert wurden. Die Europäische Union wiederum versucht, mit IRIS² eigene Kapazitäten zu entwickeln und unabhängiger von ausländischen Betreibern zu werden. Dennoch bleibt der Kommunikationssektor in vielen Bereichen ein Geschäft von privaten Unternehmen. Indem sie Unterseekabel verlegen und Satelliten ins All befördern, gestalten sie aktiv die Architektur der globalen Datennetze. Damit stellt sich als grundlegende Frage, ob private Interessen darüber entscheiden sollten, wer kommuniziert. Und wenn nicht: Wie ließe sich demokratische Kontrolle über Kommunikation zurückgewinnen, ohne technologische Innovation und allgemeine Zugänglichkeit zu gefährden?
Literatur
Abels, Joscha 2024: Private infrastructure in geopolitical conflicts. The case of Starlink and the war in Ukraine. In: European Journal of International Relations 30 (4);
https://doi.org/10.1177/13540661241260653
Abels, Joscha 2025: Europe and the Second Cold War in submarine cable networks. Second Cold War Observatory, SCWO Dispatch 2025.4; https://www.secondcoldwarobservatory.com/dispatch-2025-4
Brock, Joe 2023: U.S. and China wage war beneath the waves – over internet cables. Reuters, 24. März;
https://www.reuters.com/investigates/special-report/us-china-tech-cables/
Europäische Union 2025: Proposal for a regulation on the safety, resilience and sustainability of space activities in the Union. COM(2025) 335 final.
Morin, Jean-Frédéric/ Beaumier, Guillaume 2024: The organizational ecology of the global space industry. In: Review of International Political Economy 31 (6);
https://doi.org/10.1080/09692290.2024.2378432
Starosielski, Nicole 2015: The Undersea Network (Sign, Storage, Transmission). Durham, North Carolina: Duke University Press.
Alle Links zuletzt abgerufen am 15.10.2025.