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Die Autorin

Mara Simon ist Sozialwissenschaftlerin und promoviert an der Philipps-Universität Marburg.

Moderne Altgläubige

Antifeminismus in extrem rechten Weltbildern

Die Schriftstellerin Hedwig Dohm setzt sich in ihrem 1902 erschienenen Buch „Die Antifeministen“ mit Gegner*innen der Frauenemanzipation auseinander, darunter den ‚Altgläubigen‘, die auf Gott und Naturgesetze pochten, und den ‚Herrenrechtlern‘, die um ihre Vorherrschaft kämpften und die Unterdrückung ihrer selbst fürchteten. Antifeminismus ist heute ebenso aktuell wie die Argumente der ‚Herrenrechtler‘ und der ‚Altgläubigen‘.


Antifeminismus wurde in den letzten Jahren vor allem durch Berichte über rechtsterroristische Gewalt, wie 2011 in Utøya, 2018 in Toronto, 2019 in Christchurch und in Halle bekannt. Auch vor diesen Taten war Antifeminismus ein wichtiger Bestandteil (extrem) rechter Weltbilder, in der Berichterstattung und öffentlichen Diskussion wird dies aber erst in den letzten Jahren thematisiert. Das haben vor allem Feminist*innen durch die Analyse der ausschweifenden ‚Manifeste‘ und Videos der Attentäter ermöglicht. Ein immer wiederkehrendes Motiv ist die Verschwörungserzählung des ‚Großen Austauschs‘. In dieser Erzählung wird behauptet, dass es eine jüdische Weltverschwörung gebe, welche die ‚weiße Rasse‘ vernichten wolle. Das würde zum einen über Migration nach Europa, zum anderen über den Feminismus, welcher für sinkende Geburtenraten sorge, von imaginierten jüdischen Eliten gesteuert. Auch Erzählungen über Unterdrückung von Männern als Ziel des Feminismus kommen vor. Im Weltbild dieser Täter sind Rassismus, Antifeminismus und Antisemitismus eng miteinander verwoben (vgl. Speit 2020).

In medialen Berichterstattungen wird Antifeminismus oft mit einem (extremen) Frauenhass gleichgesetzt. Obwohl Antifeminismus und Hass auf Frauen durchaus miteinander zusammenhängen, bezeichnen sie unterschiedliche Phänomene. Antifeminismus ist nicht nur ein individueller Hass auf Frauen, sondern eine politische Weltanschauung. Diese Weltanschauung steht dem „jeweiligen historischen Prozess der Emanzipation, der Universalisierung, der gesellschaftspolitischen Flexibilisierung und Liberalisierung der Geschlechterverhältnisse“ (Birsl 2020, 47) entgegen. Antifeminismus richtet sich also gegen den Abbau von Macht- und Herrschaftsverhältnissen, teilweise zielt er auch auf ihre Wiedererrichtung.

Die antifeministischen Erzählungen rechter Attentäter wirken auf die meisten Menschen sicherlich absurd, und auch Studien wie die aktuelle Mitte-Studie zeigen, dass nur Wenige deutlichen antifeministischen Aussagen zustimmen. Behauptungen, denen zufolge es die Männer wären, die in Deutschland systematisch benachteiligt würden, oder dass es sich bei Feminismus eigentlich um eine Verschwörung handele, die die Männer unterdrücken möchte, werden nur von einer Minderheit geteilt (vgl. Simon/Birsl 2025). Warum wird Antifeminismus trotzdem immer wieder als ‚Einstiegsdroge‘ in die extreme Rechte bezeichnet? Antifeminismus ist ein zentrales Element von extrem rechten…

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