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Die Autorin

Dr. Christiane Leidinger, Politik- und Sozialwissenschaftlerin*, hat an der Hochschule Düsseldorf (HSD) die Professur für Soziologie mit besonderem Schwerpunkt Geschlechtersoziologie inne.

Nicht ernsthaft feministisch, aber als rassistisch ernst zu nehmen

(Extrem) rechte Aktivitäten von Frauen zu sexualisierter Gewalt

Proteste gegen sexualisierte Gewalt sind zwiespältig geworden. Das liegt vor allem an Akteurinnen, die mit der Thematisierung dieses sozialen Problems eine eigene, rechte rassistische Agenda verfolgen. Mit der Anprangerung sexualisierter Gewalt ist also nicht zwangsläufig eine feministische Perspektive verbunden. Vielmehr kann sie sich in ein antifeministisches Gegenteil verkehren mit einem teils 100 Jahre alten (kolonial-)rassistischen Argumentationsmuster.



Schillernde Namen – alte (kolonial-)rassistische Narrationen

Die Namen der Protestgruppen, die gelegentlich auf der Straße, zumeist auf Social Media und Internet-Kanälen Sexismus und als Teil davon sexualisierte Gewalt anprangern und damit feministisch erscheinen, sind seltsam bis schillernd: „#120db“, „Amazonenmarsch“ oder „Lukreta“ (AK Fe.In 2019; Jäger u. a. 2019; Leidinger 2019).

Aktuell ist noch „Lukreta“ aktiv, eine Fraueninitiative, die vom Verfassungsschutz NRW als „Nachfolgestruktur“ der rechtsextremen sogenannten „Identitären Bewegung“ (IB) eingeschätzt wird. Mitglieder von „Lukreta“ wie die Mitbegründerin Reinhild Boßdorf, die laut Endstation rechts zuvor bei der IB engagiert war und auch Teil der Gruppe „#120db“ gewesen ist, verwenden die Selbstbezeichnung „rechte Feministinnen“. Zwischenzeitlich war auf Social Media und den Internet-Kanälen von „Lukreta“ sowie in Interviews mit rechten Portalen auch von einer „rechten Frauenbewegung“, von „wahren Frauenrechten“ sowie von „modernem Feminismus“ die Rede. Mit dem Begriff Feminismus suggeriert „Lukreta“ eine enge Verbindung mit feministischen Bewegungen, die sich jedoch bei genauerem Hinschauen nicht halten lässt.

„Feministische“ Protestgruppen und ihre Namen
Die Bezeichnung „#120db“ bezieht sich auf die Lautstärke 120 Dezibel eines Taschenalarms. „Amazonenmarsch“ hieß ein Demonstrationsformat in Solingen, dessen Mobilisierung völlig misslang.

Fraglos entspringt die öffentliche Thematisierung von sexualisierter Gewalt gegen Mädchen und Frauen einer feministischen Idee der 1970er bzw. 1980er Jahre der Bundesrepublik. Zunächst wurden Gewalt­widerfahrnisse, vor allem Vergewaltigungen von Frauen und Lesben durch Männer und zudem ab Anfang der 1980er Jahre sexualisierte Gewalt gegen Mädchen durch Väter und andere männliche Verwandte öffentlich gemacht und skandalisiert.

Demgegenüber hat „Lukreta“ – wie schon zuvor „#120db“ – einen völlig anderen Fokus: Die Gruppe interessiert sich vornehmlich für die geographische Herkunft und oftmals…

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