Politische Bildung im Umgang mit Antifeminismus
Weltweit ist ein Erstarken von antifeministischer Rede und Politik zu beobachten. Obwohl Antifeminismus kein neues Phänomen ist, entfaltet sich aktuell eine politische Dynamik, die im massiven Kampf gegen Gleichstellungs- und sexuelle Freiheitsrechte demokratische Gesellschaften substanziell angreift.
Welchen Umgang kann politische Bildung mit antifeministischen Strömungen finden? Welche politische Bildungspraxis kann
dem etwas entgegensetzen?
Antifeminismus heute
Als diskursive Strategie der extremen Rechten ist Antifeminismus aktuell äußerst präsent. In der Darstellung von Feminismus, Geschlechtergerechtigkeit und sexueller Freiheit als Bedrohung für die „traditionelle“ Familie und „natürliche“ Geschlechterrollen oder als „links-grüne Indoktrination“ wird nicht nur die Aufrechterhaltung patriarchaler Hierarchien legitimiert, sondern ein Nährboden für autoritäres Denken geschaffen. Antifeministische Erzählungen verbreiten neben dem Narrativ einer angeblich natürlich vorgegebenen bzw. gottgegebenen Ordnung der Geschlechter auch das Szenario einer angeblichen Frühsexualisierung oder von verlorener Männlichkeit und eine gezielte Falschdeutung von Feminismus als Männerhass.
Widerhall finden antifeministische Narrative weltweit: Global verbreitet werden sie im politischen Diskurs und vielfältig im digitalen Raum (vgl. Khan u. a. 2023, 6). Auch in Deutschland mobilisieren rechte Akteure, insbesondere die Alternative für Deutschland (AfD), diese Narrative, indem sie feministische Initiativen als Angriff auf die moralische Ordnung der Nation darstellen und Geschlechterkritik mit allgemeinen fremdenfeindlichen und nationalistischen Ängsten in Verbindung bringen. Die Darstellungen finden auch außerhalb extremistischer Kreise Resonanz. Antifeminismus gilt durch die Bedienung niedrigschwelliger Ressentiments als „Einstiegsideologie“ (vgl. Kanitz 2021, 8). Das ist auch der Fall, weil die Grenze zum Menschenfeindlichen und Antidemokratischen damit teils subtil ist und der antifeministische Kern mancher Aussagen erst herausgeschält werden muss, z. B. in der nicht unpopulären Forderung nach männlichen Vorbildern als Lehrpersonen (vgl. Pangritz/Andrš Fárová 2025). Scheinbare Sorge um den Lernerfolg von Jungen geht hier mit der Abwertung von Frauen bzw. Flinta*-Personen einher, wenn z. B. das „weibliche Klima“ im Unterricht für das Scheitern der Jungen verantwortlich gemacht wird.
| Flinta* ist ein Akronym für Frauen, Lesben, Inter*-, Nicht-binäre, Trans* und Agender-Personen und steht für Menschen, die nicht cis-männlich sind, wobei das Sternchen (*) weitere marginalisierte Geschlechtsidentitäten einschließt. Weiterlesen mit POLITIKUM+Lesen Sie diesen und alle weiteren Beiträge aus Politikum im günstigen Abonnement.
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