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Die Rezensierenden


PD Dr.
Jana Windwehr, Freie Universität Berlin
Dr. Oscar Prust, Martin-Luther-Universität Halle

Rüstungskontrolle für schlechte Zeiten

Was von Schelling und Halperin übrigbleibt
Rubrik: „Klassiker neu gelesen“

Thomas C. Schelling, Morton M. Halperin: Strategy and Arms Control. Original von 1961


Rüstungskontrolle hat heute keinen guten Ruf. Vielen erscheint sie als Instrument einer vergangenen Welt. Sie gilt als veraltet, zu langsam und zu formalisiert – gerade im volatilen Sicherheitsumfeld der Gegenwart. Denn je komplexer das Umfeld, desto schwieriger wird auch effektive, das heißt stabilitätsfördernde Rüstungskon­trolle, oder? Dass Rüstungskontrolle in der Vergangenheit stabilisierend gewirkt hat, lässt sich kaum leugnen. So sahen sich Thomas C. Schelling und Morton H. Halperin nur ein Jahr vor der Kubakrise von 1962 ähnlich prekären Bedingungen gegenüber. Ihr 1961 erschienenes Buch Strategy and Arms Control ist deshalb heute bemerkenswert aktuell. Es begreift Rüstungskontrolle nicht als Gegenmodell zur Strategie, sondern als deren integralen Bestandteil.

Schelling und Halperin entfalten ihr Argument in drei Teilen: Zunächst (Part I) stellen sie fest, dass Rüstungskontrolle Stabilitätsanreize setzen, Kriege begrenzen und die Kosten militärischer Konkurrenz senken soll. Sodann (Part II) argumentieren sie mit Blick auf vertragliche Vereinbarungen, dass nicht jede Reduktion Stabilität schafft und nicht jedes Abkommen die Sicherheit erhöht. Entscheidend sei, ob Maßnahmen Verwundbarkeiten mindern und Fehlanreize vermeiden. Darin zeigt sich bereits der Kern ihres Denkens: Rüstungskontrolle ist kein moralisches Projekt, sondern ein Instrument rationaler Selbstbegrenzung unter Gegnern.

In „Making Arms Control Work“ (Part III) wenden sie sich der bis heute hochaktuellen Frage zu, wie Rüstungskontrolle unter Bedingungen des Misstrauens tragfähig ­werden kann. Zuerst lösen sie sie vom Fetisch formeller Verträge. Kooperation zwischen Rivalen müsse nicht notwendigerweise in rechtsverbindlichen Abkommen bestehen – implizite Verständigungen, wechselseitige Selbstbeschränkungen und stillschweigende Regeln könnten ebenso stabilisierend wirken. Gerade angesichts der Erosion klassischer Verträge wie New START ist das eine unbequeme, aber produktive Einsicht. Rüstungskontrolle kann schon dort beginnen, wo die politischen Beziehungen für große Vertragswerke nicht mehr ausreichen.

Zweitens relativieren sie die Fixierung auf perfekte Verifikation. Kontrolle sei wichtig, absolute Sicherheit gebe es jedoch nie. Entscheidend sei nicht, jeden Verstoß mit letzter Gewissheit nachweisen zu können, sondern „enorme irreversible Gewinne“ durch Täuschung oder Überraschung zu verhindern. Gefährlich seien aber ebenso falsche Verdachtsmomente. Kann ein Kontrollsystem diese nicht mehr absorbieren, wird seine Erosion selbst zum Sicherheitsproblem. Das zeigte sich etwa am INF-Vertrag, der wechselseitige Compliance-Vorwürfe fortlaufend reproduzierte, ohne dass diese glaubwürdig ausgeräumt werden konnten, was schließlich in seine Aufkündigung und…

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